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Persönliches Wissensmanagement

Laut Europäischem Leitfaden zur erfolgreichen Praxis im Wissensmanagement bezeichnet Persönliches Wissensmanagement ein Selbstführungskonzept, das darauf abzielt, Wissensbestände und Lernprozesse eigenverantwortlich und geschickt zu handhaben.
Es ist ein Bündel von Konzepten, Methoden und Instrumenten zur Strukturierung und Ordnung von individuellen Wissensbeständen, welches es den Mitarbeitern ermöglicht, Verantwortung dafür zu übernehmen, was sie wissen und wen sie kennen.

Es geht damit deutlich über schlichtes Zeitmanagement und Selbstorganisation hinaus. Ausgangspunkt ist die Reflexion der individuellen Denkweisen und Handlungen, um die eigene Effizienz und die der partizipierenden Personen im Lern- und Arbeitsbereich zu verbessern.

Aspekte eines persönlichen Wissensmanagements im Überblick:

Persönliches Wissensmanagement - Überblick
Persönliches Wissensmanagement – Überblick (zum Vergrößern klicken)

Hier die gesamte, ausgeklappte Mindmap (Wissensstrukturkarte) als PDF-Datei: persoenliches-wissensmanagement_gesamt

Die folgenden Methoden aus dem Maßnahmen-Portfolio, das in der Wissensmanagement Open Academy dargestellt wird, können auch im Persönlichen Wissensmanagement unterstützen:

Einen guten Überblick über einige IT-Tools für das Persönliche Wissensmanagement bietet auch dieser Artikel von Günter Eufinger aus Community of Knowledge (erschienen März 2013).

Noch mehr Überblick liefert die 2025 erschienene Handreichung  einer Fachgruppe der GfWM e.V., die vor allem an (Promotions-)Studierende gerichtet ist, allerdings wunderbar für die allgemeine Wissensarbeit herangezogen werden kann. Hier werden Fertigkeiten, Methoden und Werkzeuge vorgestellt, so wie hilfreiche Tipps für das Persönliche Wissensmanagement.

Vielleicht mehr noch als um Methoden geht es im Persönlichen Wissensmanagement um eine Grundhaltung, um die des Reflective Practitioners nach Donald Schön. Im folgenden Video erläutert von Gabriele Vollmar (Dauer 3’06 Min):


Denkaufgabe:

Welche Werkzeuge setzen Sie für Ihr Persönliches Wissensmanagement ein?
Wo sehen Sie Verbesserungspotenzial?


Weiterführende Materialien (wenn Sie etwas mehr Zeit investieren wollen):


Kommentare/Hinweise:
Wir freuen uns über Ergänzungs- oder Änderungsvorschläge. Gerne per eMail (unbedingt mit dieser URL) an uns Autoren (Gabriele Vollmar und/oder Dirk Liesch).

Methodenwahl für das persönliche Wissensmanagement

Die Relevanz mentaler Basisprinzipien für das persönliche Wissensmanagement hängt vom jeweiligen Problemkontext und den verfolgten Zielen ab. Um geeignete Methoden auszuwählen, ist eine systematische Analyse der Anforderungen notwendig. Zu diesem Zweck wird das vorgestellte Modell mit einem Raster kombiniert, das diese Anforderungsanalyse strukturiert unterstützt.


Mit diesem Raster zur Anforderungsanalyse wird zunächst unterschieden, ob ein akutes Problem gelöst werden soll oder ob es darum geht, langfristig Problemlösefähigkeiten aufzubauen. Im ersten Fall wird ein operatives Ziel verfolgt: Es geht um eine konkrete Aufgabe, die direkt erledigt werden soll. Im zweiten Fall handelt es sich um ein strategisches Ziel, nämlich den Aufbau von Kompetenzen für die Zukunft. Darüber hinaus wird zwischen zwei Arten von Anforderungen unterschieden: Einige sind gut planbar und erlauben effiziente Lösungen, während andere erst im aktuellen Verlauf entstehen, schwer vorherzusagen sind und neue, kreative Ansätze erfordern. Wieder andere entstehen erst im aktuellen Verlauf, sind schwer vorherzusagen und erfordern neue, kreative Ansätze. Während planbare Anforderungen eine gezielte, eher geradlinige Problemlösung verlangen. Wenn es dabei um Kompetenzaufbau geht, bedeutet das eine klar definierte Entwicklung von fachlichem Wissen und Fähigkeiten.  Je nach Kombination ergibt sich ein Vier-Felder-Schema, das dabei hilft, passende Problemlösungsstrategien und Entwicklungsansätze auszuwählen.

Anforderungsraster für das persönliche Wissensmanagement (Reinmann & Eppler, 2008)

Bei operativen Zielen sind Werkzeuge zur Klärung des eigenen Wissensstands, zur Priorisierung von Informationen oder zur strukturierten Darstellung von Anweisungen und Argumenten hilfreich. Strategische Ziele werden dagegen durch Methoden unterstützt, die den Ausbau von Wissensquellen und die bessere Abstimmung langfristiger Vorhaben fördern.
Methoden konkretisieren mentale Basisprinzipien und übersetzen sie in strukturierte Handlungsschritte, während Werkzeuge diese Methoden praktisch umsetzbar machen. Ein Beispiel: Das Prinzip der (Re-)Strukturierung von Wissen kann über Concept Mapping methodisch umgesetzt werden. Dafür können Papier, Bleistift oder spezielle Software als Werkzeuge genutzt werden.


Dokumentation & Planung des Wissenswegs

Obwohl E-Portfolios in Schulen und Hochschulen weit verbreitet sind, werden sie bisher kaum für das persönliche Wissensmanagement genutzt. Sie ermöglichen das Sammeln, Kommentieren und Reflektieren von Artefakten über längere Zeiträume hinweg, unterstützen die Dokumentation von Lern- und Entwicklungsprozessen und können lebensbegleitend eingesetzt werden. Trotz dieser Vorteile sind sie im Methodenrepertoire des persönlichen Wissensmanagements noch wenig etabliert. Sie zeigen jedoch Überschneidungen mit klassischen operativen und strategischen Methoden.

  • Mikroartikel verbinden die Eigenschaften von Karteikarte und Artikel und dienen dazu, Erfahrungen und den Kontext zu einem Erlebnis festzuhalten. Eine Sammlung solcher Artikel ermöglicht es, den eigenen Wissensstand zu dokumentieren, zu reflektieren und den weiteren Wissensweg zu planen.
  • Kompetenz-Portfolios visualisieren und bewerten das eigene Wissen und Können anhand bestimmter Kriterien. Sie machen Stärken, Entwicklungsbedarf und neue Tätigkeitsfelder sichtbar und unterstützen somit die Reflexion und Planung des weiteren Wissens- oder Kompetenzwegs.
  • Die Methode „Lifeline” visualisiert das Wissen und Können einer Person auf einer Zeitachse von der Vergangenheit über die Gegenwart bis zur Zukunft. Sie macht Wissensprozesse und Veränderungen sichtbar und unterstützt somit die reflektierte Planung des eigenen Wissenswegs.

Quellenangabe:
Reinmann, Gabi; Hartung, Silvia: E-Portfolios und persönliches Wissensmanagement – In: Miller, Damian [Hrsg.]; Volk, Benno [Hrsg.]: E-Portfolio an der Schnittstelle von Studium und Beruf. Münster : Waxmann 2013, S. 43-59
https://doi.org/10.25656/01:10917


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KI für das persönliche Wissensmanagement

Vor allem die generative künstliche Intelligenz kann im persönlichen Wissensmanagement die Rolle einer fleißigen und engagierten Assistenz übernehmen und uns Wissensarbeitende in einigen Bereichen gut entlasten – damit mehr Zeit für die wirklich kniffligen Fragen und kreativen Aufgabenstellungen bleibt.

Hinweis: Da sich die KI-Tools sehr dynamisch entwickeln und wir mit dem freien Kursbuch neutral bleiben wollen, nennen wir keine Tool-Beispiele. Aber sicher kennst du bereits zahlreiche KI-Anwendungen.

Die Live-Session „Wissensmanagement x KI – Macht generative KI das persönliche Wissensmanagement 50% produktiver?“ aus dem WMOOC 2025 gibt einen sehr guten Einblick in die aktuellen unterstützdenden Möglichkeiten von KI (Dauer: 1h 19min):

Informationsrecherche und -filterung
KI kann über eine Intelligente Suchfunktionen, die kontextbezogen arbeitet, dabei helfen, relevante Informationen aus großen Datenmengen schnell zu finden. Sie kann lange Inhalte zusammenfassen und/oder strukturieren und/oder vergleichen. Und sie kann Vorschläge für weiterführende Quellen oder verwandte Themen machen.

Wissensorganisation
KI-gestützte Tools können auf Basis einer semantischen Inhaltsanalyse Inhalte kategorisieren, verschlagworten (automatisches Tagging) und ggf. in Wissensdatenbanken einpflegen.

Content-Erstellung und -Transformation
Generative KI kann dabei helfen, Inhalte zu erstellen oder zu überarbeiten, z. B. Textentwürfe für Präsentationen, Berichte oder Blogposts, Visualisierungen, Videos, Podcasts, Mindmaps oder Übersetzungen und Lektorate zur sprachlichen Optimierung der eigenen Texte. KI kann außerdem Informationsformate umwandeln (z. B. Text in Podcast) oder Audio transkribieren.

Sparringspartnerin
Eine KI kann bei der Reflexion und Entscheidungsfindung unterstützen. Z.B. indem man ihr die eigenen Überlegungen schildert und um ein Feedback bittet oder nach Alternativen fragt. Oder indem man die KI eine Pro-und-Kontra-Liste erstellen lässt. Zur Vorbereitung auf eine Diskussion oder Präsentation, eine Prüfung oder eine Verhandlung kann man die KI bitten die eigenen Argumente und Thesen zu hinterfragen und Gegenargumente zu liefern. Ebenso kann sie dabei helfen neue Ideen zu entwickeln.

(Lern)Coach
KI kann als persönlicher Lerncoach agieren, z. B. persönliche Lern- oder Trainingspläne basierend auf dem jeweiligen Wissens- oder Leistungsstand erstellen, Wiederholungsmechanismen etablieren (z. B. Spaced Repetition) oder Quiz- und Übungsfragen zur Selbstüberprüfung erzeugen.

Gedächtnisstütze und Erinnerungen
KI kann dich an wichtige Inhalte oder Aufgaben erinnern:
– Automatisierte To-do-Listen mit Kontextbezug
– Verknüpfung von Informationen mit Kalenderereignissen
– Vorschläge für Wiederholung oder Vertiefung

 

Wie immer gilt auch hier: Vorsicht und Kontrolle:

  • Datenschutz: Achte darauf, welche persönlichen Daten du mit KI-Tools teilst.
  • Qualitätssicherung: KI kann Fehler machen – prüfe wichtige Inhalte kritisch.
  • Kontrolle: Behalte die Kontrolle über deine Inhalte.

Weiterführende Informationen:

Im WMOOC 2023 gab es eine tolle Live Session mit Barbara Geyer von der Hochschule Burgenland zu Erfahrungen mit KI im persönlichen Wissensmanagement:

Künstliche Intelligenz für die persönliche Wissensarbeit (Live Session)


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