Das Modell zum persönlichen Wissensmanagement (Reinmann & Eppler, 2008) strukturiert den Umgang mit Wissen anhand mehrerer grundlegender Unterscheidungen. Zentral ist zunächst die Trennung zwischen persönlichem, innerem Wissen und der äußeren Wissensumwelt. Letztere umfasst sowohl Personen als Wissensträger als auch materielle Wissensobjekte wie Texte oder Medien. Der Austausch mit dieser Umwelt kann rezeptiv (aufnehmen und verstehen) oder produktiv (gestalten und erzeugen) erfolgen.

Der strukturgenetische Wissensbegriff (Seiler & Reinmann, 2004): Ein Wissensträger konstruiert sein Wissen selbst, kann es verändern, materialisieren und mit anderen teilen.
Dem Modell liegt der oben genannte strukturgenetische Wissensbegriff zugrunde. Dabei wird zwischen zugänglichem, öffentlichem Wissen (Information) und personalem Wissen unterschieden. Letzteres kann sprachlich formulierbar, bildhaft oder an konkretes Handeln gebunden sein. Diese Wissensformen stehen in kontinuierlichen Transformationsprozessen, die auf grundlegenden mentalen Fähigkeiten beruhen.
Mentale Prozesse beim persönlichen Wissensmanagement
Für ein erfolgreiches persönliches Wissensmanagement sollten relevante mentale Prozesse näher betrachtet werden (vgl. Reinmann & Eppler, 2008):
Kognitive Basisprinzipien:
Begriffliches, enaktives und bildhaftes Wissen unterscheiden sich dadurch, wie leicht sie dokumentiert, kommuniziert oder praktisch angewendet werden können. Enaktives Wissen existiert nur im Handeln, während bildhaftes Wissen oft als Intuition erlebt wird. Wissensformen sind dabei nicht statisch, sondern unterliegen fortlaufenden quantitativen und qualitativen Transformationsprozessen.

Metakognitive Basisprinzipien:
Persönliches Wissensmanagement sollte bewusst und geplant erfolgen: relevante Situationen erkennen (Ist-Zustand), Ziele definieren (Soll-Zustand), passende Methoden wählen und deren Wirkung überprüfen. Werden Anpassung gefordert, müssen Vorgehen und Ziele reflektiert, bewertet und gegebenenfalls neu ausgerichtet werden.

Emotional-motivationale Basisprinzipien:
Gefühle, Stimmungen, Motivation und Interessen beeinflussen kognitive und metakognitive Prozesse maßgeblich, da sie bestimmen, wie wir Wissen aufnehmen, verarbeiten und anwenden. Insbesondere Stress verengt das Denken, verschlechtert das Lernen, die Kreativität und das Problemlösen. Dabei ist zwischen akuten Emotionen und länger anhaltenden Stimmungen sowie zwischen situativer Motivation und stabilen Interessen zu unterscheiden. Obwohl sich diese Faktoren kaum planen oder steuern lassen, sollten sie als grundlegende Prinzipien im persönlichen Wissensmanagement berücksichtigt werden.

Hier geht es zu einem weiterführenden Beitrag, in dem ein Raster zur Methodenwahl bei diesem Modell vorgestellt wird:
Methodenwahl für das persönliche Wissensmanagement.
Quellenangabe:
Reinmann, Gabi; Hartung, Silvia: E-Portfolios und persönliches Wissensmanagement – In: Miller, Damian [Hrsg.]; Volk, Benno [Hrsg.]: E-Portfolio an der Schnittstelle von Studium und Beruf. Münster : Waxmann 2013, S. 43-59
https://doi.org/10.25656/01:10917
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