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3 – Säulen Modell

Das 3-Säulen Modell kann als „Adlerperspektive“ auf jede Wissensmanagement- Aktivität einer Organisation eingesetzt werden. Es ist sehr praxisnah auch für kleine Organisationen.

Ohne die ädequate Berücksichtigung aller drei Säulen dieses Modells überleben Wissensmanagement-Projekte in der Praxis nicht. Die Stärke liegt in der Einfachheit:

„Messen“ – „Machen“ – „Wohlfühlen“

lässt sich im „Hinterkopf“ behalten, genauso wie die Bedeutung, die dahinter steckt:

  • Messen: Wenn eine Wissensmanagement Strategie oder auch nur eine Einzelmaßnahme nicht nachweisen kann, dass der jeweilige Nutzen über dem Aufwand liegt, wird sie auf Dauer nicht überleben, weder in einer Organisation noch privat. Deshalb gehören zu einer Wissensmanagement-Aktivität, entsprechende Maßnahmen zum Messen des Gewinns (Nutzen – Aufwand). Dafür steht die Säule des „Messens“. Ob dies qualitativ oder quantitativ möglich ist und welche Ansätze,  Modelle und Kennzahlen dazu gewählt werden, ist spezifisch für die spezielle Aktivität.  Auf jeden Fall muss für das Projekt festgelegt werden, wie der Gewinn gemessen wird und welcher Gewinn erzielt werden soll.
  • Machen: Dies ist die eigentliche Wissensmanagement Aktivität: z.B. die Strategie, das Projekt, die neue Unternehmenssuchmaschine, die Maßnahmen zur Unternehmenskultur, die  Entwicklung der lernenden Organisation usw.. Die meisten klassischen theoretischen Wissensmanagement-Modelle der 90iger Jahre konzentrieren sich ausschließlich oder hauptsächlich auf diese Säule.
  • Wohlfühlen: Die beteilgten bzw. betroffenen Menschen dieser Wissensmanagement – Aktivität müssen sich damit wohlfühlen, sonst funktioniert diese Aktivität nicht nachhaltig.  Deshalb muss für die Aktivität bekannt sein, von welchen Menschen der Erfolg der Aktivität abhängt und dass sie sich mit dieser Aktivität, wenn sie zielgerecht umgesetzt ist, wohlfühlen. Anderenfalls sind Rahmenbedingungen zu schaffen, dass dieses Wohlfühlen gewährleistet ist.

Drei Fragen reichen, um schnell die Überlebensfähigkeit und den potentiellen Erfolg oder Mißerfolg eines Wissensmanagement – Projekt abschätzen zu können:

  • Was wird gemacht?
  • Wie wird gemessen?
  • Wiso fühlen sich die Beteiligten dabei wohl?

Die Adlerperspektive des 3-Säulen Modells muss für jedes Wissensmanagement-Projekt konkretisiert werden, wobei es mit jeweils für die konkrete Aktivität passenden anderen Wissensmanagement Modellen kombiniert werden kann.

Bildvergleich:

Stellen Sie sich diesen 3-Säulen Tempel im „Wissensgarten“ in München vor, von dem eine „Wissenspirale“ wie Rauch aufsteigt.

und schon haben Sie vier Wissensmanagement-Modelle kombiniert, die für eine ganze Reihe von Aktivitäten einen guten Grundstock bilden. Dazu muss noch nicht einmal eine Treppe zum Tempel hinauf führen ;-).

Manchmall stellt sich die Frage, ist „Wohlfühlen“ der richtige Begriff. Ich denke, ja, denn: Wann fühlt man sich wohl?  In einer passenden Unternehmenskultur, in der Mann/Frau motiviert ist und Spaß und Freude an der Arbeit hat. Dies Begriffe führen dann wieder noch weiter in die Tiefe,  wie selbstbestimmt, partnerschaftlich etc. die dann auch schnell wieder fragwürdig werden, wenn unterschiedliche Persönlichkeitstypen berücksichtigt werden müssen, was in der Praxis immer der Fall sein sollte. Wohlfühlen passt aber auch für das persönliche Wissensmanagement – ohne Kontext einer Organisation (Unternehmen, Verwaltung etc.). Deshalb ist „Wohlfühlen“ ein geeigneter Adlerbegriff.

Die bildliche uns sprachliche Darstellung über „tragende Säulen“ ist in vielen Lebens- und Managmentbereichen populär und wird auch teilweise im Wissensmanagement verwendet.  Hier finden Sie eine übersichtliche Sammlung zu „Säulen des Wissensmanagements“ (DACH-KM Wiki)


Kommentare/Hinweise:
Ergänzungs- o. Änderungsvorschläge hier in der XING-Diskussion, oder (notfalls, wenn kein XING-Account gewünscht) als eMail (unbedingt mit dieser URL) an uns Autoren (Gabriele Vollmar und/oder Dirk Liesch).

Grundlegende Begriffe (Definitionen)

Vor der Beschäftigung mit dem Wissensmanagement sollten einige grundlegenden Begriffe klar definiert sein. Der folgende etwas längere Text leitet durch verschiedene, aufeinander aufbauende Definitionen und gibt die eine oder andere Denkaufgabe. Es besteht aber auch die Möglichkeit über die Navigation einzelne Definitionen für einzelne Begriffe gezielt anzusteuern.


Denkaufgabe:

Bevor Sie sich gleich mit zahlreichen Definitionen auseinandersetzen, nehmen Sie sich doch 5 Minuten Zeit und assoziieren Sie rund um den Begriff ‚Wissen‘: Welche anderen (verwandten) Begriffe fallen Ihnen spontan ein, wenn Sie an ‚Wissen‘ denken?


Eine gute Sammlung wesentlicher Begriffsdefinitionen bieten sowohl das D-A-CH Wissensmanagement-Glossar der Gesellschaft für Wissensmanagement e.V. sowie, ab Seite 135, der Europäische Leitfaden für gute Praxis im Wissensmanagement. Das D-A-CH Glossar der GfWM gibt es übrigens auch als App für iPhone und iPad.

Eine gründliche Erläuterung des Wissensbegriffs bietet das Kapitel 2 in einem Studientext von Gabi Reinmann. Oder noch ausführlicher und  tiefer gehend dieser Eintrag, ebenfalls von Reinmann und Mandl, im Spektrum Lexikon der Psychologie.

Oft verwendet im Kontext Wissensmanagement, um den Zusammenhang zwischen Daten, Informationen, Wissen und schließlich Können, Handeln und Kompetenzen deutlich zu machen, wird die so genannte Wissenstreppe von Klaus North [Vgl. North, Klaus (2011) Wissensorientierte Unternehmensführung. Wiesbaden]. In diesem Video (7:18 min) erläutert Dr. Angelika Mittelmann die Wissenstreppe sehr anschaulich:

Hier finden Sie eine kompakte schriftliche Erklärung (inkl. Grafik) der Wissenstreppe (f-bb Website). Wie komplex Gedanken zu Wissensmanagement Begriffen auf Basis der Wissenstreppe sein können, zeigt diese verlinkte Grafik (wird mit Zoom lesbar) von Hr. Hofferer.

Ein Begriffspaar, das im Wissensmanagement oft Verwendung findet, ist das von Michael Polanyi schon in den 60er Jahren geprägte Begriffspaar ‚explizites Wissen‚ und ‚implizites Wissen‘. Hier geht es zu einer Erläuterung.

Kein Wissen ohne Nicht-Wissen; eine gute Definition und Begründung, warum auch das Nicht-Wissen im Wissensmanagement berücksichtigt werden sollte, bietet mit Bezug auf die Überlegungen von Ursula Schneider zum Management der Ignoranz [Vgl. Schneider, Ursula (2006) Das Management der Ignoranz. Wiesbaden] dieser Artikel auf der Community of Knowledge.

Was also ist / will nun Wissensmanagement?


Denkaufgabe:

Und noch einmal die Anregung: Bevor Sie sich gleich mit unterschiedlichen Definitionen von ‚Wissensmanagement‘ beschäftigen, versuchen Sie doch selbst einmal zu definieren, was ‚Wissensmanagement‘ für Sie / Ihren Kontext bedeutet!


Eine interessante Sammlung von Wissensmanagement-Definitionen aus einer XING Diskussion wurde von Boris Jäger im DACH KM – Wiki zusammengefasst.

„Wissensmanagement ist intelligenter Umgang mit Wissen“  ist meine persönliche Lieblingsdefinition, wenn es darum geht, das Gesamtthema, unabhängig von einem Unternehmen zu definieren. (Dirk Liesch)

Meine (Gabriele Vollmar) Definition von Wissensmanagement lautet: „Wissensmanagement ist die Gestaltung förderlicher Rahmenbedingungen für produktive Wissensarbeit. Übergeordnetes Ziel ist die Schaffung einer Lernenden Organisation.“

Hier begegnen wir nun wieder zwei wichtigen Begriffen: Wissensarbeit und Lernende Organisation.

Wissensarbeit wird ausführlich betrachtet in einem Diskussionspapier der GfWM, eine Definition findet sich auf Seite 9-10.

Zur Lernenden Organisation gibt es ein unterhaltsames Video (11:58 min) zur Geschichte von Otto, dem Schaf und seiner Herde:

Outlearning the wolves – Einführung Wissensmanagement from BiMa PHLB on Vimeo.

Oder, etwas weniger bildlich, ein Video (8:00 min), das die Lernende Organisation nach den 5 Disziplinen von Peter Senge [Vgl. Senge, Peter (2011. 11. Aufl.) Die fünfte Disziplin. Kunst und Praxis der lernenden Organisation. Stuttgart] erläutert. Interessant wird dieses vor allem ab Minute 3’30:


Denkaufgabe:

Was ist nun Ihre Lieblingsdefinition von ‚Wissensmanagement‘? Was gefällt Ihnen an dieser Definition besonders? Warum passt sie besser auf Ihren Kontext als andere?


Sich im Vorfeld mit diesen Begriffen auseinanderzusetzen ist nicht müßig, denn sie werden im Zentrum der weiteren Beschäftigung mit Wissensmanagement stehen. Gerade auch,  wenn in einer Organisation eine Wissensmanagement-Strategie erarbeitet werden soll, ist ein gemeinsames Verständnis dieser Begriffe wichtig (und keineswegs als selbstverständlich vorauszusetzen). Ebenso ist es empfehlenswert eine eigene, auf den eigenen Kontext, die eigene Organisation passende Wissensmanagement-Definition zu entwickeln, um allen Beteiligten ein klares Bild zu vermitteln, worum es beim Wissensmanagement gehen soll. Nur so lässt sich nachhaltig auch Engagement und Motivation für dieses Thema erzeugen.


Kommentare/Hinweise:
Ergänzungs- o. Änderungsvorschläge hier in der XING-Diskussion, oder (notfalls, wenn kein XING-Account gewünscht) als eMail (unbedingt mit dieser URL) an uns Autoren (Gabriele Vollmar und/oder Dirk Liesch).